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Die Flora Neuseelands

Diese Beschreibung möchte sowohl den Laien informieren als auch dem botanisch Interessierten die Flora Neuseeland näherbringen.

Isoliert von anderen Ländern  hat sich auf  Neuseeland eine ganz eigene Vegetation entwickelt. Sie reicht entsprechend der Ausdehnung des Landes von subtropisch bis subantarktisch. Die Landschaft ist zerklüftet und auf engstem Raum sehr verschiedenartig, so liegen Hochgebirge mit ewigem Eis in Nachbarschaft zu palmen- und baumfarnreichen Küstenwäldern. In trockeneren oder alpinen Gebieten findet man Südbuchenwälder, vor allem an der Ostseite der Südinsel und im Fjordland.

Durch die Besiedlung der Inseln durch Polynesier vor ca. tausend Jahren und besonders durch die Ankunft der Europäer im frühen neunzehnten Jahrhundert, haben sich für die Vegetation tiefgreifende Änderungen ergeben. Der Wald wurde schon von den Maoris großflächig durch Feuer beseitigt, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Die Europäer legten Weide-flächen für Schafe und Rinder an, indem sie das ungenießbare Tussock-Gras abbrannten und Futtergräser anpflanzten, wobei sie europäisches Saatgut verwendeten und sogar die aufkommenden Wiesenwildkräuter entsprechen denen der europäischen Weiden. Heute sind nur noch um die 20% der ursprünglichen Vegetation Neuseelands erhalten.

Zur heimischen Flora zählen 2300 Gefäßpflanzenarten, davon sind 85% endemisch, das heißt sie kommen ausschließlich in Neuseeland vor.

Die meisten Arten finden sich in den Familien der Korblütler (Asteraceen), Süßgräser (Poaceen), Sauergräser (Cyperaceen), Rachenblütler (Scophulariaceen), Orchideen (Orchi-daceen) und Doldenblütler (Apiaceen).

Einige wichtige Familien sind auffällig unterrepräsentiert, dazu gehören die Schmetterlingsblütler (Fabaceen), Nachtschattengewächse (Solanaceen), Kreuzblütler (Brassicaceen) und Lippenblütler (Lamiaceen). Die 20 heimischen Koniferen-Arten gehören bis auf drei zur Familie der Podocarpaceen. Es gibt keine endemischen Familien, dafür aber 45 endemische Gattungen und dies betrifft nach L. Cockayne (1928) 4/5 aller Blüten-pflanzenarten.

173 Farnarten sind in Neuseeland beheimatet, darunter acht große Baumfarne. Hinzu kommt eine reiche Moos-, Flechten- und Pilzflora.

Durch die europäischen Siedler wurden 1860 Gefäßpflanzen eingeführt.

Die Vegetation Neuseelands hat bis heute keinen Gleichgewichtszustand erreicht. Dies liegt einerseits daran, daß die Südinsel bis vor 1500 Jahren noch mit Eismassen bedeckt war andererseits an der vulkanischen Aktivität auf der Nordinsel, wo große Teile immer wieder durch Vulkanausbrüche verändert, mit Lava bedeckt und schließlich neu besiedelt wurden. Die nun folgende Einteilung der Vegetation habe ich in Anlehnung an das Buch “The Vegetation of  New Zealand“ von Peter Wardle (Wardle, Peter 1991: Vegetation of New Zealand, Cambridge University Press) vorgenommen.

Natürlicher Wald
Natürliche Waldgesellschaften kommen vom Küstenbereich bis zur subalpinen Baumgrenze vor.  Es gibt 48 Arten sehr großer bis mittlerer Bäume und weitere 70 Arten, die nicht größer als 10 Meter werden. Die unterschiedliche Toleranz der Arten gegenüber den ökologischen Verhältnissen, läßt eine breite Fülle an Waldgesellschaften entstehen. Auf der Nordinsel werden allein 182 Waldtypen unterschieden (Nicholls 1976). Leider sind die meisten Waldflächen, besonders im besiedelten Flachland bis auf kleine Überreste aufgelöst. Ausgedehnte ungestörte Waldbereiche sind meist auf unzugängliche steile Schluchten und Berghänge beschränkt.

In höhergelegenen und trockeneren Gebieten wachsen hauptsächlich immergrüne Südbuchen (Nothofagus). Die warmtemperierten  immergrünen Lorbeer-Koniferen Wälder sind am kompliziertesten zusammengesetzt. Sie beinhalten im Norden die Standorte der großen Kaurifichten (Agathis australis) und dringen bis fast in den Süden der Südinsel vor, wo sie neben den temperierten Südbuchenwäldern vorkommen. Das im Boden der Agathis-Wälder angesammelte fossile Harz wurde früher abgebaut und hatte einen höheren Wert als Gold. Auf der Verbreitungskarte der Waldtypen ist die ürsprüngliche Ausdehnung  um1840 n.Ch. dargestellt. Für die Verbreitung der Wälder mit subtropischem Charakter und die der temperierten Nothofagus Wälder läßt sich keine klimatisch begründete Erklärung finden.

Immergrüne Lorbeer-Koniferen Wälder
Von diesem Waldtyp gibt es zwei Varianten: den eigentlichen des warmtemperierten Flachlandes und den der höher gelegenen Gebiete. In den milden Bereichen des Flachlandes ist er in Form von Stockwerken aufgebaut. Die meisten Baumarten im obersten Kronendach gehören zur Familie der Podocarpaceen wie zum Beispiel Gelbholz (Podocarpus), “Kahikatea“/Weiß-Fichte (Dacrycarpus dacrydioides), “Rimu“/Harzeibe (Dacrydium cupressinum) und “Toatoa“/Blatteibe (Phyllocladus asplenifolius). Die Weiß-Fichte ist der größte Baum Neuseelands und wird bis zu 60m hoch. Sie kommt in Meerehöhe bis 600m ü.NN verteilt über das ganze Land vor. Außerdem findet man häufiger zwei Zedernarten (Libocedrus plumosa und Libocedrus bidwillii) und die mächtige Kaurifichte (Agathis australis). Das darunter liegende Stockwerk besteht aus niedrigeren Podocarpaceen, mit den Gattungen Elaeocarpus, Metrosideros (Eisenholzbaum), Weinmannia und im Norden die Lorbeergewächse Beilschmiedia, Knightia, Laurelia, Litsea und Nestegis. Diese bilden den geschlossenen Kronenbereich. Beilschmiedia tawa (Lauraceae) herrscht in den Wäldern der Nordinsel vom Flachland, einschließlich warmer Standorte im Küstenbereich, bis in mittlere Höhenlagen vor.

Griselinia littoralis (Cornaceae) ist im Unterwuchs der großen Wälder eher seltener, in der hochmontanen bis unteren subalpinen Lorbeer-Koniferen Bergwaldstufe aber häufig zu finden. Der nur etwa 10m große Baum ist über die drei Hauptinseln verbreitet und erscheint regelmäßig in den “grasslands“ im Osten der Südinsel. Baumfarne mit Arten der Gattungen Dicksonia und Cyathea sowie die Nikaupalme (Rhopalostylis sapida) kommen in wärmeren Gebieten häufig vor und verleihen dem Wald den typisch subtropischen Charakter. Große Farne bilden einen gut entwickelten Unterwuchs. Die Nikaupalmen überdauern das Abholzen des Waldes und bilden auf dem entstandenen Weideland kleine Haine. Der Epiphytenbewuchs besteht nicht nur aus Moosen, Flechten und mikroskopisch kleinen Farnen. Auch große Farne und Gefäßpflanzen sind zu dieser Lebensform übergegangen. Außerdem beginnen einige Bäume ihr Leben als Epiphyten in den Baumkronen, da sie lieber von Anfang an das Sonnenlicht genießen. Überall da, wo in den Bergregionen der Buchenwald fehlt, tritt der Lorbeer-Koniferen-Wald in seiner zweiten Variante auf. Je höher die Lage des Waldes und je trockener der Standort, desto einfacher ist seine floristische Zusammensetzung. Diese Mischwälder der  höher gelegenen Gebiete sind auch niedriger als die des Flachlandes.  Große Flächen des Westlandes sind z. B. mit diesem Bergmischwald bewachsen und ersetzen hier den Südbuchenwald.

Buchenwälder 
Der Südbuchenwald bedeckt vor allem im Nordwesten und Südwesten der Südinsel große Flächen, fehlt aber weitgehend im Westland und im Osten. Auch auf der Nordinsel tritt er inselförmig oder punktuell auf. Die subalpinen Wälder sind aus reinen Südbuchenbeständen zusammengesetzt, sie gehen fließend über in Wälder niedrigerer Lagen bis in die Küstenbereiche. In Lücken können sich Arten des Mischwaldes, Büsche oder kleine lorbeerblättrige Bäume entwickeln. Eine Mischung des Südbuchenwaldes mit  Podocarpaceen oder lorbeerblättrigen Arten ist über große Flächen ausgeprägt. Am besten wachsen die Südbuchen im kalttemperierten Klima mit mittleren bis hohen Niederschlagswerten. Im krassen Gegensatz zu den üppigen oben beschriebenen Wäldern zeichnen sich reine Nothofagus Wälder der subalpinen Bereiche durch einen mageren Unterwuchs aus, er besteht höchstens aus einigen Sträuchern oder Moospolstern. In niedrigeren Lagen können im schattigen Dämmerlicht Farne hervorragend gedeihen, wie z.B. der Schildfarn (Polystichum vestitum) und der “Tausendblattfarn“ (Hypolepis millefolium). Es gibt vier Südbuchenarten, wobei die Varietäten von Nothofagus solandri extra aufgeführt sind: Hartbuche (N. truncata), Rotbuche (N. fusca), Schwarz- und Bergbuche (N. solandri var. solandri und var. cliffortioides) und die Silberbuche (N. menziesii ). Von den ersten drei Arten werden auch Hybride gebildet. Es handelt sich ausschließlich um immergrüne Arten. Die Rotbuche ist mit Höhen von rund 30m bis zu 42m die größte. Während alle anderen Buchen gezackte Blattränder aufweisen, ist er bei N. solandri glatt. Allen gemein sind kleine derbe Blattflächen. In trockeneren Gebirgen wird die Waldgrenze von Nothofagus solandri, in den feuchteren von Nothofagus menziesii gebildet.

 

Gepflanzter Wald (Forst)
Nachdem die europäischen Siedler erkannt hatten, daß sich die natürlichen Holzvorräte schnell erschöpfen, begannen sie 1898, also erst vor hundert Jahren, eine geplante Aufforstung. Die beliebtesten Bäume hierfür waren die Schwarz-Kiefer (Pinus nigra), die Gelb-Kiefer (P. ponderosa), die Küsten-Douglasie (Pseudotsuga menziesii), Scheinzypressen (Chamae-cyparis), Lärchenarten und Eucalyptus. Kommerziell genutzt wird allerdings hauptsächlich Pinus radiata. Waldpflanzungen nehmen den Raum von 1 200000 ha ein. Ursprünglich handelt es sich bei diesen Flächen um unrentables Weideland, Tussock- Grasland oder natürliche Waldgesellschaften, die dann abgebrannt wurden. Doch haben es einige heimische Arten geschafft, ihren ursprünglichen Lebensraum zurück zu erobern, indem sie sich im Unterwuchs von Koniferen-Pflanzungen ausbreiten. Bei Rotorua haben sich zwei Baumfarne (Dicksonia squarrosa und Cyathea medullaris) besonders erfolgreich behauptet: sie bleiben mit Ihren 4-6m hohen Stämmen unterhalb der Baumkrone  und bedecken ca. 80% der Fläche (Wardle 1991). Auch andere Pflanzen wie der “Fünf-Finger-Baum“ (Pseudopanax arboreus) oder Rangiora (Brachyglottis repanda) sind innerhalb der Forste häufig anzutreffen. Andererseits wandern als Zierpflanzen eingeführte Exoten, wie der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus) in natürliche Wälder ein und verdrängen dort die heimischen Gehölze. Am auffälligsten hat sich Eucalyptus ausgebreitet.

Natürliches Grasland, überwiegend ‚Tussock‘-Grasland
Diese Vegetationsform bedeckt heute 60 % von Neuseeland. Es wird zwischen “Short-Tussock-“ und “Tall-Tussock“-Grasland unterschieden. Ersteres wächst bei Niederschlagswerten von 350mm bis 10000 mm und war ursprünglich nur unterhalb von 600m ü NN und bei einer Niederschlagsmenge von höchstens 500mm beheimatet. Die schon von den Maoris abbgebrannten Waldflächen gaben dem Tussock-Gras schließlich die Gelegenheit sich weiter auszubreiten (Breckle & Walter 1991). Horstgräser wie Festuca novae-zelandicae und Poa caespitosa dominieren. Durch die Beweidungspraxis – die alten Gräser werden abgebrannt, damit die neuen Triebe als Futterpflanzen zur Verfügung stehen-  entstehen Lücken zwischen den Horsten, in die europäische Arten wie das Rote Straußgras (Agrostis capillaris), das Wohlriechende Ruchgras (Anthoxantum odoratum) und mit einem beträchtlichen Anteil auch Habichtskräuter (Hieracium) eindringen.

Das bis zu 1.5 m hohe “Tall-Tussock“-Gras wächst natürlicher Weise im Gebirge über der Waldgrenze. Überall dort, wo es unterhalb der Baumgrenze vorkommt, ist dies wieder aufgrund der Abholzung von Wäldern der Fall. Die wichtigsten Gräser sind  die Schneegräser (Chionochloa), die sich sehr ähnlich sehen und untereinander Hybride bilden. Chionochloa conspicua (Hunangamoho) hat eine Blattbreite von  0.6mm- 1cm und Blütenstände, die über 2m groß werden. Es ist in den montanen und subalpinen Bereichen weit verbreitet. “Red-Tussock“ (Chionochloa rubra)  ist ein unempfindliches Gras und wächst meist auf tiefgründigen, feuchten und saueren Böden.  Sehr auffällige Pflanzen sind die zur Familie der Doldengewächse gehörendenden Aciphylla Arten. Sie haben lange, grasartig aufrechte Blätter und einen großen Blütenstand  an dem die Dolden seitlich austreiben. Im Volksmund werden sie auch Speergräser genannt. Sie wachsen in Meereshöhe und sind im subalpinen Bereich bis zu fast 2000m vertreten. Diese Gattung hat allein 39 Arten. Eine der häufigsten Arten der Grasflächen ist Kopoti (Anisotome aromatica). In niedrigen Gebieten kann Sie bis zu 50 cm hoch werden, im alpinen Bereich jedoch nur ca.10 cm.  […BILDER…]

 

Feuchtgebiete und Sümpfe
Aufgrund des ozeanischen Klimas mit milden Temperaturen und einer sicheren Menge an Niederschlägen, können sich Feuchtgebiete und Sümpfe leicht etablieren. Je nach Untergrund, Höhe über dem Meerespiegel, Be- und Entwässerung sowie Nährstoffgehalt kommt es zur Ausbildung entprechend zahlreicher Vegetationsformen. Es werden viele verschiedene Moor-, Sumpf- und Feuchtgebietstypen unterschieden, z. B. im Einzugsbereich von Seen und Flüssen, die meist gut mit Nährstoffen versorgt sind, sowie die nährstoffärmeren  des Flachlandes und der Berge.

In Lagunen, abgeschirmt von der offenen See liegen salzhaltige Standorte auf Sand oder Kies. Dort hat sich innerhalb der Gezeitenzone, entsprechend dem Wasserstand, eine zonierte Vegetation angesiedelt. In diesem Bereich wächst bis 38° südlicher Breite auch Neuseelands einzige Mangrovenart Avicennia resinifera. Die bis zu 9m großen Bäume stehen auf sauerstoffarmem Grund und bilden desshalb dünne, aus dem Boden herauswachsende Atemwurzeln. An ihrer südlichen Verbreitungsgrenze sind diese Mangroven nur noch etwa 2m hoch.

Feuchtgebiete (Süßwasser) umfassen ein Areal von 89000 ha, doch ist dies nur der Überrest einer einstmals sehr viel größeren Fläche. Das Trockenlegen der Flachland-Sümpfe begann am Anfang der europäischen Einwanderungswelle und dauert bis heute an. Schon die Maoris manipulierten die unter Wasser stehenden Gebiete, um dort zu fischen oder um sie für den Gartenbau zu nutzen.

In feuchten Waldökosystemen dominiert die  zu den Podocarpaceen zählende Weiß-Kiefer (Dacrycarpus dacrydioides). Sie wird in den nördlichen Regionen der “Kauri“-Wälder durch Pukatea (Laurelia novae-zelandiae) ersetzt. In Gebieten mit hohen Niederschlagswerten bilden sich inselförmig innerhalb der Wälder kleine moorige Waldflächen. Diese werden meist von Podocarpaceen der Gattung Dacrydium oder von Berg-Buchen (Nothofagus solandri var. cliffortioides) besiedelt.  Der Unterwuchs besteht aus heideartigen Pflanzen und Sträuchern und der Boden ist dicht mit Torfmoosen (Sphagnum) bewachsen.

Im allgemeinen ist Sphagnum auf feuchten Moorflächen vergesellschaftet mit verschiedenen krautigen und holzigen Pflanzen. Das Torfmoos speichrt das Wasser  und ist so für die Erhaltung des Moores verantwortlich.

In den alpinen Bereichen findet man keine großen Sumpfflächen, dafür aber kleinräumige moorig feuchte Standorte. Es fällt, aufgrund fließender Übergänge zu feuchteren Grasgesellschaften (z.B. bedingt etwa durch spätes Ausapern) eine Unterscheidung von diesen sehr schwer.

 

Alpiner Bereich mit Schnee und Geröllfeldern
Für die Vegetation der Hochgebirge ist die geographische Lage sehr wichtig, sie wirkt mit dem lokalen Höhenklima zusammen und so bildet sich in jedem Hochgebirge eine ganz eigene Artzusammensetzung aus. Die Vegetation im Gebirge ändert sich entsprechend der verschiedenen Höhenstufen. Den Hochgebirgen Neuseelands gilt ein großes wissenschaft-liches Interesse, denn sie sind zusammen mit den südlichen Anden das am weitesten im Süden vorkommende Gebirge. Außerdem konnten sie sich isoliert entwickeln und sind entstehungs-geschichtlich jung (Franz 1979).

Es gibt 500 Pflanzenarten, die nur im Hochgebirge, vor allem auf der Südinsel zu finden sind und laut J. T. Salmon (1993) kommt fast die Hälfte aller Pflanzenarten Neuseelands ausschließlich in den höheren Bergregionen vor.

In der montanen Stufe wächst hauptsächlich Wald, der entweder aus Podocarpaceenarten oder Südbuchen besteht. In der “Südbuchen-Lücke“ des Westlandes sind verschiedene Holzarten von geringer Höhe vorherrschend. Auf der Nordinsel liegt die Baumgrenze etwa bei 1000-1500m und sinkt bis zum Süden der Südinsel auf 770m ab. Zur Waldgrenze hin werden die Bäume kleiner  und haben eine verkümmerte Wuchsform. Die Waldgrenze ist sehr niedrig, da sie aufgrund der Isolierung Neuseelands im Pleistozän, von Baumarten gebildet wird, die als Relikte aus dem Tertiär ein relativ warmes Klima verlangen und deshalb den Verhältnissen im Hochgebirge nicht standhalten können (Franz 1979). Die Myrtacee Metrosideros lucida wächst im Bereich der westlichen Waldgrenze auf der Südinsel.

Auch in Neuseelands Hochgebirgen wird eine subalpine Stufe definiert. Die alpine Stufe breitet sich variabel mit ihrer typischen Flora zwischen einer Höhe von 900m und 2000m aus. Sie wird aufgrund der  mittleren Winterschneegrenze definiert. Der subalpine Bereich liegt unterhalb dieser Grenze aber oberhalb der niedrigsten winterlichen Schneegrenze, wo der Schnee meist nur zwei bis drei Wochen liegen bleibt. Diese Höhenstufenfolge ist für die West-und Ostseite des Gebirges auf der Südinsel verschieden. Die Ostseite ist von kontinentalem und die Westseite von extrem ozeanischem Klima bestimmt.  In der subalpinen Stufe oberhalb der Baumgrenze konnten sich viele Sträucher etablieren, wie z.B. Arten der Gattung Podocarpus, Dacrophyllum und Senecio. An den subalpinen Busch schließt höher gelegen der alpine Busch an, gefolgt von alpinem Tussock-Gras, Kräuterwiesen und Geröllfeldern.

Zwischen den Horsten der Gräser wachsen auf ungestörten Flächen Orchideen, Glockenblumen, Pratia- und Ranunculusarten. Diese Bereiche sind fast nie klar gegeneineander abgegrenzt, sondern gehen fließend ineinander über oder sind mosaikartig zusammengesetzt. Wie schon oben erwähnt, gibt es auch im Bereich der Gebirge moorige und sehr feucht-nasse Lebensräume sowie eine bach- und flußbegleitende Vegetation. Ich möchte hier noch auf Matten mit alpinen Kräutern und die felsigen Standorte eingehen.

Die alpinen Matten bedecken weite Teile der Bergwelt Neuseelands hauptsächlich oberhalb der Tussock-Gras-Flächen. Die bis zu 1.5m große Hanhnenfußart Ranunculus lyallii ist mit seinen großen Blättern (13-20cm Durchmesser) und auch der schönen Blüten wegen eine begehrte Sehenswürdigkeit und Fototrophäe. Er blüht von Dezember bis Januar. Bild…!!!!

Die “Maori onion“ (Bulbinella spp.) gehört zur Familie der Liliengewächse und färbt, wenn sie in Blüte steht, weite Landflächen gelb. Vier Arten wachsen in subalpinem und alpinem Rasen. Der Blütenstand kann bis zu 45 cm hoch werden.

Das “Nord-Insel Edelweiß“ Leucogenes leontopodium kommt nicht selten in großen Mengen oberhalb von 1250m vor und bevorzugt steinigere Standorte. 19 Enzianarten sind in Neuseeland bekannt, darunter auch der “Alpen Enzian“ Gentiana patula. Er hat filigrane lila geaderte weiße Blüten. Der Neuseeland Augentrost (Euphrasia cuneata) sieht dem europäischen Gemeinen Augentrost (Euphrasia rostkoviana) ähnlich, wird aber bis zu 60cm hoch. Zu den häufigsten Pflanzenarten zählen die “Berg-Gänseblümchen“ oder Mountain daisies (Calmisia), sie gehören zur Familie der Korbblütler. In den Bergen der Südinsel findet man Celmisia armstrongii mit grasartigen 20-30cm langen Blättern, die mit einem orangenen Streifen beidseits der Mittelrippe versehen sind. Neben der artenreichen Gattung Celmisia kommen auch eine Reihe Margeriten vor z.B. die Schnee-Margerite (Dolichoglottis scorzoneroides), auch dies ist eine mächtige über einen halben Meter große Pflanze mit fleischigen bis zu 20cm langen Blättern.

Ein bis zu einem Meter auswachsender Strauch ist die “Alpen-Heide“ (Epacris alpina) mit kleinen schmalen und ledrigen Blättern.

Die charakteristischste Wuchsform der alpinen Zone sind die Polsterpflanzen. Zu den größten gehören Haastia pulvinaris, mit Polstern bis zu 2m im Durchmesser, im Volkmund giant vegetable sheep genannt und Raulia eximia (Asteraceae/Korbblütler). Sie wachsen an windausgesetzen Stellen auf Felsen und Steinen und sind den Verhältnissen dieses extremen Standortes mit heftigsten Temperaturschwankungen sehr gut angepaßt. Ihre Samen werden vom Wind verbreitet. Weitere Bewohner felsiger alpiner Standorte sind viele Arten der Gattung Hebe. Die Gattung Hebe hat in Neuseeland ihren Verbreitungsschwerpunkt und gehört zur Familie der Rachenblütler (Scrophulariaceae). An felsigen und steinigen Standorten auf der ganzen Südinsel findet man bis zu einer Höhe von 1600m auch das „Südinsel Edelweiß“ (Leucogenes grandiceps), dessen Blätter klein und wollig sind.

Buschland und Farnkräuter mit überwiegend holzigen Pflanzen
Dieser Vegetationstyp wird von kleinwüchsigen holzigen Pflanzen bestimmt. Einige dieser Gebiete repräsentieren Sukzessionsstadien. An vielen Stellen wird Waldland, sei es aufgrund natürlicher oder menschlicher Einwirkung, durch niedrige Büsche und Sträucher ersetzt.

Steile Waldschluchten und bewaldete Flußtäler, in denen keine gleichmäßigen Bodenverhältnisse vorliegen, bilden mosaikartige  Flächen mit Sträuchern aus, die die weniger stabilen Bereiche besiedeln (Wardle 1991). Auch im Küstenbereich gibt es eine Vielzahl an Sträuchern und krautigen Pflanzen.

Das subalpine Buschland ist sehr artenreich. Es besteht aus Pflanzen mit sehr flacher Wuchsform, krautigen Arten und großen Sträuchern, wie Olearia, Brachyglottis, Dracophyllum, Coprosoma (s.u.) und Hebe. “Mountain flax“ (Phormium cookianum), ein Agavengewächs, ist sowohl im subalpinen Buschland als auch in den alpinen Rasen und auf felsigen Standorten bis zu einer Höhe von 1600m häufig vertreten. Auffällig sind die 1-2m langen Blätter und die gestielten Blütenstände. Auch Fuchsia excorticata (Onagraceae) ist als Strauch oder Baum mit seinen laubabwerfenden Blättern hier vorhanden. Bemerkenswert sind die auffällig blau gefärbten Pollen der Blüten sowie die papierartige Rinde, die beim Abblättern eine grüne glatte innere Schicht freilegt. Horopito (Pseudowintera colorata) wächst sowohl im Flachland, klettert aber auch bis in alpine Regionen herauf. Er hat stark duftende kleine weiße Blüten, die entlang des Zweiges verteilt und nur 1cm groß sind.

Beeindruckend sind auch die zur Familie der Epacridaceen gehörenden Grasbäume (Dacrophyllum). Ihre Nadel- oder Sichelförmigen Blätter wachsen direkt aus dem Stamm. Die kleineren Formen erreichen eine Höhe von 60cm, während Dracophyllum traversii der größte unter Ihnen 10-13m groß wird. Im Januar und Februar kann man diesen “Großen Grasbaum“ z.B. im Abel Tasman National Park blühend sehen, dort kommen sogar reine Grasbaumstandorte vor. 18 der 35 Dacrophyllum– Arten wachsen im subalpinen Bereich. Das “Strauch-Kreuzkraut“ (Brachyglottis rotundifolia var. elaeagnifolia, Fam. Asteraceae) ist, wegen seiner gefurchten Zweige und  den bräunlich anliegenden Haaren, ein leicht zu erkennender Strauch der Nordinsel. Ein reiner Standort liegt unterhalb des Gipfels von Mt. Tauhara bei Taupo (J. T. Salmon).

45 Arten umfaßt die Gattung Coprosoma (Rubiaceae). Von diesen kommen einige nur in höchst alpinen Lagen vor. Die Steinfrüchte sind oft leuchtend rot oder blau gefärbt.

Mit zunehmender Abholzung konnte sich der “Cabbage tree“ (Cordyline australis) ausbreiten. Er wächst verstreut oder in kleinen Gruppen in offenen Landschaften, Sümpfen und Wiesen.

Auf Ödland und in Schluchten ist Holunder (Sambucus nigra) sowohl allein, als auch in Gesellschaft heimischer Baumarten häufig vertreten. Die Eberesche (Sorbus aucuparia) wandert in Busch-Restflächen ein und auch die uns bekannte Süß-Kirsche (Prunus avium) wächst im subalpinen Busch um Mt. Cook.

Sehr erfolgreich haben Manuka (Leptospermum scoparium) und Kanuka (Leptospermum ericoides) das Buschland der Ebenen erobert. Dies konnte aufgrund Ihrer enormen Blütenzahl, der leichten windverbreiteten Samen, des Widerstandes gegen Verbiß der Säugetiere und eines sehr schnellen Wachstum geschehen. Die beiden Myrtengewächse wachsen auf der Nord- und Südinsel. Blüten von Manuka sind 1.2-2cm groß und weiß, eine Unterart (var. keatleyi) ist rosa gefärbt. Blütezeit ist September bis Februar, die Samen reifen dann bis April oder Mai heran. Die ebenfalls weißen aber kleineren (5mm im Durchmesser) Blüten von Kanuka stehen wesentlich dichter. Dieser Strauch kann bis zu 15m hoch weden.

Die giftigste heimische Pflanze Neuseelands ist Tutu (Coriaria arborea). Ein Milligramm des Glykosides Tutin, welches die Pflanze produziert, kann für einen erwachsenen Menschen schon gefährlich werden. Sie ist über das ganze Land verteilt in Schluchten, Strauchgesellschaften und an Wäldrändern zu finden, außerdem besiedelt die Pionierpflanze, als erstes abbgebrannte Waldflächen. Als Sträucher oder Bäume werden sie bis zu acht Meter groß. Der Stengel ist vierkantig und mit gegenständigen Blättern besetzt. Die zweihäusigen Pflanzen aus der Familie der Coriariaceen lassen ihre Blüten in 30cm langen Trauben von den Ästen herabhängen. Blütezeit ist von September bis Februar.

Ein eher seltenerer auch auf beiden Inseln vorkommender kleiner auffälliger Baum des Flachland-Busches ist das Araliengewächs Pseudopanax ferox (Toothed lancewood). Der Stamm scheint aus Strängen zusammengesetzt zu sein und die bei den jugengdlichen Bäumen bis zu 50cm langen Blätter sind mit Zähnen besetzt.

Großflächige Standorte des Buschlandes werden vom Adlerfarn (Pteridium aquilinum var. excelsum) erobert, der dort reine Bestände ausbilden kann. Die Pflanzen sind derber als die Adlerfarne der nördlich temperierten Breiten und bleiben das ganze Jahr über grün. Das sogenannte “fernland“ kann auf der Nordinsel bis zu einer Höhe von 800m und auf der Südinsel bis 900m hinaufsteigen. Ursprünglich war die Verbreitung auf Küstengebiete und Dünen innerhalb des Landes beschränkt. Seit der Besiedlung Neuseelands durch Menschen und dem damit zusammenhängenden Rückgang der Wälder, breiteten sich die Farne rasant aus.

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer erwähnenswerter Sträucher oder krautiger Pflanzen, die hier unbeachtet bleiben müssen.

Heide

Ein großer Teil holziger Vegetation auf unfruchtbaren Böden in Höhenlagen wird als Heide bezeichnet. Vorherrschend sind kleinblättrige oder mit nadelartigen und anliegenden Blättern besetzte Sträucher und Bäume. Es gibt Baum-, Strauch- und Zwergheiden je nach Größe der dominanten Holzart. Sekundäre Heiden  können sich nach Feuer ausbreiten und ein Sukzessionsstadium in Richtung primärer Heide oder  Wald darstellen. Diese sind artenärmer und kommen auf verschiedensten Böden vor, wo die dominanten Arten wesentlich schneller wachsen als in der ursprünglichen Heidevegetation (Wardle 1991). Sekundäre subalpine Heide breitet sich in den Bergregionen aus.

Innerhalb der primären Strauch und Baumheide kommen hauptsächlich zwergwüchsige Podocarpaceen, Manuka (s.o.) und Arten der Familie Epracidaceae vor. Es gibt nur wenige Arten in dichter subalpiner Heide, die nicht auch in entsprechenden Waldgesellschaften vorkommen. Die nun folgenden Arten sind nach Wardle (1991) in der Strauch-Heide am häufigsten vertreten: Lepidothamnus laxifolius (pigmy pine), der Sonnentau Drosera stenopetala, Cyathodes empetrifolia, Astelia linearis und für die subalpine Stufe Myrsine nummularia und Coprosoma serrulata, letztere ist wegen ihrer sehr dicken ledrigen Blätter und der weißen schuppigen Rinde leicht zu erkennen. Es gibt insgesamt 45 Coprosoma Arten in Neuseeland. Die männlichen und weiblichen Blüten befinden sich auf zwei verschiedenen Pflanzen.

Pflanzen der Küstenregionen
An den Küsten müssen sich die Pflanzen an den aus Sand und Kies bestehenden Untergrund anpassen. Drei Straucharten haben dies getan, wie z.B.  Coprosoma acerosa, die flachwüchsig fast polsterförmig mit vielen sich kreuzenden Zweigen und schmalen kleinen Blättern die Sandflächen aller Hauptinseln besiedelt.

An  den Stränden der Südinsel findet man weitverbreitet das Seidelbastgewächs Pinatoro (Pimelea prostrata). Seine süß duftenden, weißen Blüten erscheinen von Oktober bis März.

Eine flachwüchsige große Polsterpflanze mit dickem Stamm und nur 3mm großen Blüten ist Melicytus crassifolius.

Einige großblättrige Lianen wie z. B. Muehlenbeckia australis, Bromberen (Rubus fruticosus agg.) und Tetragionia findet man auch vor allem an Stränden mit steinigem Untergrund. Dort wurzeln sie wo sie Erde erreichen und wachsen einfach über die restlichen Pflanzen hinweg. Tauhinu (Cassinia leptophylla), ein Korbblütler ist an den meisten Stränden häufig zu finden. Seine Blütenköpfe stehen in Gruppen an den Sproßenden der Pflanze. Southern Rata (Metrosideros umbellata) ist auf niederschlagsreiche Standorte im Süden beschränkt.

Außerdem gibt es Pflanzen, die die Eigenschaft haben, den Sand mit ihrem Wurzelwerk zu binden und Dünen zu bilden. Eine dieser Pflanzen ist das Sauergras Desmoschoenus spiralis. Es wächt in großen Gebieten auf Sanddünen entlang der Küste. Auch das Süßgras Spinifex hirsutus stabilisiert die Dünen der Küste auf der Nord-Insel und im Norden der Südinsel.

Das Windengewächs Calystegia soldanella wächst überall auf Sanddünen an den Stränden des des Meeres oder der Seen und auf den Kiesbänken der Flüsse. Ihre Blüten können bis zu 8cm im Durchmesser groß werden.

Das größte endemische “Toetoe“-Gras (Cortaderia splendens) wächst auf Sandflächen der Nordinsel.

Besonderheiten
Lediglich in Neuseeland gibt es die Wuchsform der divarikaten Sträucher. Der Hauptsproß stirbt ab und es treiben rechtwinkelig zum Hauptsproß zwei neue Seitenknospen aus. Auf diese Weise wächst ein sehr kugeliger Busch mit dünnen Zweigen und kleinen Blättern heran. Es handelt sich wohl um eine Anpassung an die ausgestorbenen Moas, die als große Laufvögel verbreitet waren und sich von Pflanzen ernährten. Die divarikaten Sträucher sind nur im Flachland verbreitet, dem Weideland der Moas. Außerdem gibt es auch Baumarten mit divarikaten Jugendstadien.

Eine andere Besonderheit ist der Epiphytimus des Myrtengewächses Metrosideros robusta. Der Samen keimt in der Astgabel des Wirtsbaumes aus, die Pflanze läßt dann Luftwurzeln nach unten wachsen, die bis zur Erde reichen. Somit erhält der Organismus  die Nährstoffe aus der Erde, daraufhin schreitet das Wachstum schnell voran. Die ehemaligen Luftwurzeln erstarken, verschmelzen stellenweise und bilden bald einen tragenden Stamm aus. Die Wirtspflanze, meist ein Baum der Gattung Dacrydium, stirbt ab.