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Rotorua

Ganz egal aus welcher Richtung man in diese Stadt kommt, hier stinkt es. Ein Ge­ruch von faulen Eiern liegt in der Luft, an den ich mich aber mit der Zeit gewöhne. „Welcome to sulphur-city“.

Rotorua ist das touristische Zentrum der Nordinsel – das merkt man sofort.

Die Stadt liegt in einem höchst geothermisch aktiven Gebiet, das sich von White Is­land bis hin zum Tongariro National Park erstreckt. Dies ist genau der Subduktions­bereich der Pazifischen- unter die Indo-Australische Platte. Heißes Quellwasser, Geysire, kochender Schlamm, Ritzen, aus denen Wasser- oder Schwefeldampf austritt, weisen allerorts auf die Vorgänge im Erdinneren hin. Doch das Erdin­nere beginnt hier oft schon wenige Dezimeter unter der Oberfläche, so daß die Maoris ihre Toten in einem Hügel über der Erde bestatten mußten. Warum sich die Men­schen hier nieder­gelassen ha­ben, ist mir ein Rätsel. Man lebt mit der ständigen Gefahr, daß sich die Erde auftut und es zu einer Katastrophe kommt. Die Ge­schichte beweist es.

Zur Übernachtung in dieser Stadt wähle ich den Rotorua Thermal Holiday Park am südlichen Stadtende an der Straße nach Taupo. Ich richte mich für mehrere Tage ein. Mein Zelt steht nur weni­ge Meter von einem „boiling mud-pool“ entfernt. In unregel­mäßigen Ab­ständen zieht starker Schwefelgeruch um und durch das Zelt. Das mo­notone blub-blub ist in der Ruhe der Nacht deutlich zu hören. Auf dem Camping­platz gibt es freien Zugang zu Thermalpools mit unterschiedlichen Tempera­turen und zu einem geothermal beheizten Swimmingpool. Nichts ist schöner als am Abend nach ei­nem anstrengenden „seightseeing-day“ in dem angenehm warmen Wasser zu entspannen. Man ist ja schließlich im Urlaub.

In Rotorua und der näheren Umgebung lassen sich die unheimlichen geothermi­schen und vulkani­schen Erscheinungen bestens und hautnah beobachten. Nir­gendwo anders kann man öfter auf Ta­feln die Sätze „stay on the footpaths“ oder „Danger! Don’t enter.“ lesen. Hell’s Gate, Champain Pool oder Devil’s Home sind nur einige der Attraktionen, die ich in den nächsten Tagen besu­chen will.

Um die thermalen Aktivitäten mit einem umfangreichen Einblick in die Maori-Kultur zu verbinden, besuche ich Whakarewarewa, das im Stadtgebiet von Rotorua liegt. Hier ist auch der Po­hutu-Geysir zu finden, aus dem in unregelmäßigen Abständen mehrmals täglich eine bis über 20m hohe Wasserfontäne austritt. Ein beeindruckendes und lautstarkes Schauspiel.

An der Straße nach Whakatane liegt Hell’s Gate. Hier dampft, brodelt und zischt es überall. Ähnliches ist auch im  Waimangu Volcanic Vally oder in Waiotapu, die beide an der Straße nach Taupo liegen, zu sehen. Ich fahre nach Waiotapu, das etwa 30km südlich von Rotorua liegt. Dort steht auch der Lady Knox-Geysir, der pünktlich um 10. 15 Uhr Was­ser ausstößt, wenn der Ranger Seifenstücke in den Schlot schüttet. Durch dieses Trick wird die Ober­flächenspannung des Wasser zerstört. Was zuerst wie eine Waschmaschine aus­sieht, die zuviel Waschmittel er­wischt hat, entwickelt sich nach mehreren Minuten tatsächlich zu einem richtigen Geysir. Entdeckt wurde er, als Arbeiter im war­men Wasser ihre Wäsche waschen wollten. Welch Schreck, als diese plötz­lich in die Luft flog. Nahebei erschließt ein Rundweg die  üblichen  Schlammlöcher, Schwe­fel­dämpfe und farbenreiche Mineralpools sowie viele hundert Jahre alte Sinter­terassen.

Im Jahre 1886 ist der Vulkan Mt. Tarawera ausgebrochen. Durch die niederfal­lende vulkani­sche Asche wurde die Ortschaft Te Wairoa -wie das italienische Pompeji- überdeckt. Die noch heute andauernden Ausgrabungen sind im Buried Village an der Tarawera Road zu sehen. Ein kleines Museum zeigt diverse Ge­genstände, die unter der Asche gefunden wurden.

An dieser Straße liegt auch der Blue- und Green-Lake, die landschaftlich sehr schön gele­gen, zum Baden einladen. Am Ende der Straße liegt der Lake Tara­wera. Direkt gegenüber sieht man den namensgebenden Vulkan. Er zeigt sich als kahler langgestreckter Bergrücken. Di­rekt am See befindet sich auch ein DoC-Campground. Ideal zum Baden.

Mühsam, aber äußerst beeindruckend ist der steile Aufstieg auf den Mt. Tarawera. Der Krater ist eine langgestreckte Schlucht aus blutrotem Gestein. Wer über genü­gend Kleingeld ver­fügt, kann sich auch hierher mit speziellen Fahrzeugen fahren oder mit dem Helikopter fliegen las­sen. Wer’s zu Fuß macht, braucht einen ganzen Tag. Der Ausgangspunkt zur Besteigung liegt am Lake Rere­whakaaitu.